Zwischen Friedrichstrasse und Brandenburger Tor

Ohne Kategorie

Zwischen Friedrichstrasse und Brandenburger Tor: Mein Praktikum im Bundestag

Montag 10. November 2014: Nachdem die Bahn gestreikt hatte und nach rund 300 km, war ich in Berlin angekommen. Begrüßt von gefühlt 1000 Menschen im Bahnhof und empfundenen -10 Grad. Aber ich war angekommen. Mein Zuhause für die nächsten Wochen hieß Berlin. Wieso? Weshalb? 

Die Antwort war ein dreiwöchiges Praktikum in dem Motor der Deutschen Demokratie, dem Bundestag. Genauer bei Bundestagsabgeordneten Albert Weiler. Er ist der direkt gewählte Abgeordnete des Bundestages für Gera, meiner Heimat. Dort gibt es weitaus weniger Menschen, es war dort ein bisschen wärmer und es schien auch noch die Sonne, als ich im Zug saß. Nach meinem Abitur wollte ich aber unbedingt neue Erfahrungen machen. Für drei Wochen war es mein Wunsch, in der Bundeshauptstadt ein Praktikum zu machen. Natürlich mit ein wenig Kribbeln im Bauch und mit großer Vorfreude.

Rund drei Wochen später, kann ich sagen, dass meine Vorstellungen übertroffen wurden. Ich habe so viele Menschen kennengelernt und getroffen, habe so viel vom Politikgeschehen mitbekommen und ich habe verstanden, warum es wichtig ist, wählen zu gehen.

Aber langsam, was war innerhalb der drei Wochen geschehen? Nachdem ich von Herrn Weilers Mitarbeitern sehr sympathisch begrüßt wurden bin, ging es mit den organisatorischen Dingen los. Schlüssel, Ausweis, Büro, Computer und, und, und. Ich merkte schon, der Bundestag ist eine gute Gelegenheit sich zu verlaufen. Viele Gänge, viele Treppen und viele Türen machten mich schon stutzig. Meine Devise war: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Und was macht man sonst noch? Man sitzt mit in Ausschüssen, man fotografiert und hört den Rednern im Plenum zu. Alles in allem sehr abwechslungsreich und sehr spannend. Schon nach zwei, drei Tagen wurden meine Vorstellungen übertroffen. Nach der ersten Sitzungswoche, die sich für alle Beteiligten mehr als anstrengend herausstellte, folgte die erste Nichtsitzungswoche.

Mittagspausen an der Spree, lesen, recherchieren, erarbeiten und noch viel mehr gehörten zu meinen Alltag. Für die einen klingt es wahrscheinlich nicht erstrebenswert, aber da ich mich schon seit Kindestagen für Politik und die Themen ringsherum interessiere, waren es tolle drei Wochen.

Innerhalb meiner Praktikumszeit wurde mir bewusst, wie wichtig die Arbeit im Bundestag ist. Nur deshalb funktioniert unser Rechtsstaat, nur deshalb funktioniert die Wirtschaft, nur deshalb funktioniert das Sozialsystem und nur deshalb funktioniert Deutschland. Die Arbeit von genau 631 Abgeordneten im Bundestag ist deshalb so wichtig. In meiner Zeit als Praktikantin habe ich erfahren, wie viel Abgeordnete leisten und worauf sie verzichten müssen.

Mein persönliches Highlight war ein kurzer Plausch mit Dr. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU. Neben ihm sah ich viele bekannte Gesichter und auch Angela Merkel stand mir gegenüber. An diesem Abend rutschte mir mein Herz mehrere Stockwerke nach unten. Nach der positiven Aufregung ging es weiter mit der Haushaltswoche im Bundestag. Jedes Ministerium stellte dort seinen Finanzplan für das kommende Jahr vor. Ich hörte mir im Plenum die jeweiligen Haushaltspläne der unterschiedlichen Ministerien an. Es ist sehr interessant, die verschiedenen Redebeiträge zu hören und die folgende, lebhafte Diskussion zu beobachten.

Alles im allen waren diese drei Praktikumswochen sehr wichtig für mich. Ich habe Einblicke in den Alltag der Politik bekommen und durfte viele Menschen kennenlernen. Für jeden der Interesse an Politik hat und offen ist für Neues, kann ich ein solches energiebeladenes Praktikum empfehlen.

Ein Praktikumsbericht von Victoria Poetzschner.