Mit dem Dackel in den Bundestag: Kandidaten des Wahlkreises 194 Jena-Gera-Saale-Holzland vorgestellt

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Albert Helmut Weiler ist der Kandidat der CDU.

Milda. Ein Junge sitzt im Zug und kaut Kaugummi. Es ver­gehen einige Minuten, der Junge ist gelangweilt, er lässt ein paar Blasen platzen, doch das Kaugummi hat längst keinen Geschmack mehr. Er nimmt es aus dem Mund und klebt es an den Sitz. Andere Menschen, die den Zug reinigen, müssen es da ­wieder rauskratzen.

Albert Weiler, Bundestagskandidat der CDU, kennt auch solche Arbeiten, denn er war mal bei der Deutschen Bahn. Heute ärgert es ihn, wenn Mitfahrer unachtsam ihren Müll verteilen. "Wenn ich sehe, wie andere ihre Kaugummis irgendwo hinkleben, dann kann ich den Mund nicht halten", sagt er.

Putzen muss Weiler, der aus der Nähe von Köln strammt, längst nicht mehr. Sein Lebenslauf liest sich mittlerweile wie die unendliche Geschichte des Lernens. Er hat drei Ausbildungen abgeschlossen, als Elektriker, Lokomotivführer und als Verwaltungswirt an der Fachhochschule sowie ein Vollzeitstudium der Politologie an der Freien Universität Berlin. Gerade schreibt er an seiner Disser­tation an der Friedrich-Schiller Universität in Jena. "Mein ­Leben ist auch ständiges ­Lernen", sagt der 48-Jährige.

So hat Weiler erst auf dem zweiten Bildungsweg an der Abendschule in Köln 1990 das Abitur erworben. "Unser Physiklehrer hat damals gesagt: Schaut euch um, von den 40 Schülern werden hier vielleicht noch acht das Abitur erwerben". Das habe ihn damals ziemlich bewegt. Rückblickend, sagt er, brauche man viel Biss und Ehrgeiz um das nach Feierabend durchzuhalten. Von seinem Sohn erhofft er sich, dass er einmal einen einfacheren Weg wählen wird. "Ich kann heute nur ­jedem empfehlen in der Schule aufzupassen", sagt Weiler. So wie seine berufliche Orientierung sich phasenweise geändert hat, so war es auch mit seiner politischen Einstellung.

"Ich war früher eher SPD-orientiert", sagt Weiler. "Dann kam die Ära Schröder und ich habe die Bodenständigkeit in der Politik vermisst." Zur CDU sei er damals durch einen lokalen CDU-Politiker gekommen, der ihn fasziniert habe.
Wer ihn heute anruft und nicht direkt erreicht, der wird auf den Anrufbeantworter geleitet: "Dies ist der Anschluss vom ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Milda Albert Helmut Weiler." Viel Zeit bleibt ihm neben seinem Job als Chef einer Verwaltungsgemeinschaft im Schwarzatal und dieser ehrenamtlichen Aufgabe nicht mehr. "Nur für die Hege der Wildtiere im Winter nehme ich mir immer wieder ein paar freie Stunden", sagt Weiler. Denn der naturverbundene Wahl-Thüringer ist passionierter Jäger und Hundeliebhaber. Zu Hause hat er eine Deutsche Dogge, einen Yorkshire Terrier und zwei Dackel. Seine Frau betreibt sogar einen Hundesalon. Seinen kleineren Dackel nimmt er auch immer mit ins Büro. "Der würde auch mit nach Berlin kommen, da kenne ich nichts", sagt er.

Für die Arbeit in der Bundeshauptstadt würde ihm sein Durchhaltevermögen und sein Biss nützen. "Ich gehe schließlich nicht nach Berlin, um in der zweiten Reihe zu sitzen", so Weiler sehr selbstbewusst.

Das schillernde Nachtleben in Berlin interessiert ihn aber nicht. "Ich bin kein Stadtmensch", sagt er. Eines sei ihm daher wichtig: Im Falle seiner Wahl in den Bundestag möchte er weiterhin ehrenamtlicher Bürgermeister von Milda ­bleiben.
"Ich denke, dass man geboren wird, um der Gemeinschaft zu dienen", sagt er mit Blick auf ­seine zahlreichen Aufgaben. ­Seine Frau bezeichnet das als "Helfersyndrom".

Pauline Schinkels / 14.09.13 / OTZ