Mehr als ein Praktikum

Bund

Das erste juristische Staatsexamen in der Tasche, noch vier Monate Zeit bis zum Beginn des Referendariats, was tun? Logisch, ein Praktikum. Recht und Gesetzgebung nicht nur aus Büchern, sondern live! Glücklicherweise erklärte sich Albert Weiler (CDU), aus meiner Studienstadt Jena, direkt bereit, mir diese Möglichkeit zu bieten. Nach einiger Praktikumserfahrung während des Studiums hatte ich dennoch gemischte Erwartungen an das Praktikum im Bundestag. Die Sorge im Hinterkopf, nach Jahren des Studiums nichts als simple Praktikantentätigkeiten aufgebrummt zu bekommen oder fast schlimmer, herumzusitzen!

Fast ironisch klang deshalb der Satz im ersten Gespräch mit dem Büroteam: „Sie werden Mitte der Woche nicht mehr wissen, was sie Anfang der Woche gemacht haben!“ In der Tat – dieser Aussage besonders zuträglich war der Umstand, dass zwei meiner drei Praktikumswochen Sitzungswochen waren. Anhörung, Arbeitsgruppe, Ausschuss, Fraktion, Sitzung, Plenum. Vor- und Nachbereitung dieser Treffen sowie Wahlkreisarbeit, Besuchergruppen und das Tagesgeschäft.

Inhaltlich geprägt war die erste Woche durch die Diskussion um die Stärkung der Arbeitslosenversicherung. Durch seine Funktion als Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und Fraktionssprecher zu diesem Thema war es Aufgabe von Herrn Weiler, sowohl inhaltlich vor der Fraktion als auch vor großem Publikum im Plenum, seine und die Sicht der CDU/CSU-Fraktion zu vertreten. Durch die gute Einbindung in das Büroteam erfuhr ich bald, was es heißt, sich in kürzester Zeit in völlig komplexe Sachverhalte einzuarbeiten und diese politisch aufzubereiten.

Neben dieser sehr anspruchsvollen Arbeit hatte ich Gelegenheit, mich in einem anderen als dem juristischen Gutachtenstil zu üben. Gegenstand waren Pressemitteilungen zu Besuchergruppen aus dem Wahlkreis, Übergabe eins Förderungsbescheids für den Breitbandausbau durch Bundesminister Dobrindt an die Stadt Gera und andere Themen, wovon tatsächlich die ein oder andere abgedruckt wurde. Die Vielfältigkeit der Arbeit im Bundestag offenbarte sich zudem in der Aufgabe, eine Podiumsdiskussion im Wahlkreis vorzubereiten, die sich Konflikten rund um den Irak widmet, und mit deren Moderation Herr Weiler betraut wurde. Zu meiner Freude und ausdrücklich im Interesse des Abgeordneten war es außerdem, dass ich an Veranstaltungen meiner Wahl teilnehmen konnte. So besuchte ich verschiedene Plenumssitzungen und eine besonders spannende aktuelle Stunde rund um die Pressefreiheit in der Türkei und nahm am Programm einer Besuchergruppe teil, um Berlin besser kennenzulernen.

Dieses Praktikum war weniger ein Praktikum im klassischen Sinn, sondern vielmehr eine eindrucksvolle und spannende Zeit, inhaltlicher und praktischer Erfahrungen, von denen ich sicher profitieren werde. Vielen Dank dafür!

 

Von Anna Trabant