Fachärztliche Versorgung auf dem Land durch MVZ | Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Alber H. Weiler in Rudolstadt

Robert Weiß Demografie, Gesundheit, Ländlicher Raum, Thüringen

Die Sicherung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum ist eine der großen Zukunftsherausforderungen in Deutschland. Wenn ein Arzt in den Ruhestand geht, findet er viel zu oft keine Nachfolgerin oder Nachfolger und eine Praxisschließung droht.

Eine Möglichkeit die fachärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern sind Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Davon machte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert H. Weiler bei einem Besuch in Rudolstadt persönlich ein Bild.

„In der Politik ist das Problem des Ärztemangels schon seit langem bekannt, aber für meinen Geschmack passiert hier zu wenig. Wir brauchen mehr und bessere Anreize, um junge Ärztinnen und Ärzte davon zu überzeugen, dass es keinen Karriereknick bedeutet aufs Land zu ziehen. Hier müssen wir auch neue Modelle ausprobieren und fördern, wo diese gut funktionieren.“

Die Praxis in Rudolstadt gehört zu einem MVZ mit Hauptsitz in Münchberg und wird von der Ober Scharrer Gruppe (OSG) betrieben. Das Konzept dahinter erklärt die Geschäftsführerin der OSG, Sibylle Stauch-Eckmann beim Gespräch:

„Wir haben die Praxis vor einigen Jahren übernommen, weil sich kein Nachfolger gefunden hatte. Wir arbeiten deswegen unter anderem gerne im Rotationssystem. Man muss ich unser MVZ wie ein kleines Netzwerk vorstellen: In Münchberg haben wir den Hauptsitz mit insgesamt 9 Ärztinnen und Ärzten. Daneben betreiben wir kleinere, konservative Praxen in Schleiz, Bad Steben, Wunsiedel, Marktredwitz und eben Rudolstadt, wo wir auch ambulante Operationen durchführen. Wenn jemand in Rudolstadt zum Beispiel am Grauen Star operiert werden muss, dann ist dies durch unsere Ärzte auch Vorort möglich. Dadurch entfallen lange Anfahrtszeiten für die Patienten und trotzdem ist gesichert, dass ein spezialisierter Facharzt mit dem nötigen Wissen, Können und vor allem auch Routine die Operation durchführt.“

Aber selbst bei einem solchen Modell sei es nicht immer einfach junge Fachärztinnen und –ärzte zu finden. Zwar ist die Arbeit als angestellt Beschäftigte in einem MVZ generell für viele Ärztinnen und Ärzte attraktiv. Dort können sie sich ganz auf die medizinische Tätigkeit konzentrieren und werden von einer gut organisierten Verwaltung im Hintergrund von bürokratischen Lasten befreit. Trotzdem müssen gerade in ländlichen Raum die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur stimmen:

„Die Zukunft des Arztberufs ist viel digitaler als es sich heute die meisten vorstellen können. Als Ober Scharrer Gruppe haben wir bereits Pilotprojekte, bei denen per Videokonferenz und Smartphone bestimmte Augenuntersuchungen aus der Ferne besprochen werden können. Das geht aber natürlich nur dann, wenn sowohl beim Patienten, als auch in der Praxis der entsprechende Internetzugang gesichert ist.“, so Stauch-Eckmann.

Herr Weiler sicherte zu, dass das Thema bei ihm auf der Agenda stehe und er sich nicht nur als Abgeordneter in Berlin, sondern auch als Bürgermeister dafür einsetze, dass die Rahmenbedingungen und Infrastruktur – vom Internet, bis zur Kinderbetreuung – in der Region attraktiv sei und die Entscheidung für das Land auch jungen Ärztinnen und Ärzte dann einfacher fallen würde.